Lebensmittelmüll-Vermeidung im Freistaat

Seit geraumer Zeit geht ein Thema durch die Medien, das uns sehr am Herzen liegt. Deutschlandweit landen 11 Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll. Den Löwenanteil daran haben Privathaushalte, aber auch Restaurants, Hotels und Kantinenküchen sind für fast 2 Millionen Tonnen Lebensmittelmüll verantwortlich.

Was uns besonders bedrückt, ist die Tatsache, dass ein erheblicher Teil dieses Mülls aus Fleischprodukten besteht. Dies zeigt mal wieder auf eindringliche Weise, dass wir viel zu viel billiges Fleisch produzieren. Gerade in Deutschland, wo Lebensmittel billiger als in jedem anderen europäischen Land zu haben sind, mästen und schlachten wir Tiere für die Mülltonne! Das ist absolut unverantwortlich, unethisch und skandalös.

Gerade im Bereich der Schweinemästung ist dies besonders eklatant. Der Deutschen Liebe für billiges Schweinefleisch führt dazu, dass es sich so gut wie kein ethisch verantwortlich arbeitender Produzent leisten kann, in diesem Markt aktiv zu werden. Unser Fleischlieferant, beispielsweise, lässt lieber ganz die Finger von der Schweinemast, denn artgerecht gehaltenes Schwein ist teuer, und niemand scheint in diesem Land bereit zu sein, den Preis dafür zu bezahlen. Zwar gibt es Schweinefleisch aus Bio-Produktion, aber wenn man den Marktanteil konventionell produzierten Schweins dagegen stellt, steht der Bio-Anteil in keinem Verhältnis. Schwein aus Freilandhaltung, womöglich alte Rassen??? Fehlanzeige.

Andere Länder machen uns da wirklich was vor: Die Briten, zum Beispiel, haben ein lockereres Verhältnis zu artgerechter Tierhaltung und „Bio“, insofern, als dass sie das Ganze viel weniger ideologisch sehen. Bio genießt nicht den zweifelhaften Ruf des Großstädtisch-Esoterischen, Bio-Bauern gelten nicht als „verschrobene Ökos“, sondern als Geschäftsleute, welche die Nachfrage erfüllen. Sogar in der konventionellen Gastronomie gehört es auf der Insel inzwischen zum guten Ton, Schweinefleischprodukte aus Freilandhaltung auf die Speisenkarte zu bringen. Bezeichnend ist allerdings auch, dass das populärste Fleisch auf britischen Tellern Lamm ist, und Schafe weigern sich beharrlich, industriell gehalten zu werden.

Aus vorgenannten Gründen bemühen wir uns im Freistaat Eifel, so wenig Lebensmittel wie möglich wegzuwerfen, und das ist gar nicht so schwierig, wenn auch mit Arbeitsaufwand verbunden. Wir kaufen kleinere Mengen direkt beim Produzenten ein (was im übrigen auch Unmengen an Verpackungsmüll vermeidet!) und müssen u.U. nachkaufen, wenn uns etwas ausgeht. Dies kann bedeuten, dass gelegentlich einmal ein Gericht kurzfristig und mitten im laufenden Betrieb von der Speisenkarte „fällt“, weil wir die Gästezahlen oder die Popularität eines Gerichts falsch eingeschätzt haben.

Da wir weit und breit der einziger Eifeler Kunde unserer Eifeler Fleisch- und Gemüseproduzenten sind (kein Druckfehler – das stimmt tatsächlich!) und daher nicht beliefert werden, müssen wir uns also gelegentlich ins Auto schwingen und Nachschub besorgen. So verfahren wir zuweilen etwas mehr Sprit, aber das ist das kleinere Übel, wie wir meinen.

Sehr, sehr viele Restaurants kalkulieren im übrigen einen erheblichen Prozentsatz an „Schwund“, also Lebensmittelmüll, mit in ihre Preise ein. Damit die Kalkulation am Ende des Jahres stimmt, die Verkaufspreise aber dennoch wettbewerbsfähig sind, müssen diese Küchen demnach insgesamt billigere und damit oftmals minderwertige Produkte einkaufen, oder aber auf haltbare Convenience-Produkte zurückgreifen, z.B. fertig panierte TK-Schnitzel, die aus dem gefrorenen Zustand heraus sofort zubereitet werden können.

Dies alles tun wir hier im Freistaat Eifel nicht. Wir bereiten alles frisch zu; Fertig- und Convenience-Produkte hat unsere Küche noch nie gesehen! Und wir kaufen frischen Salat und frisches Gemüse sowie Fleisch aus artgerechter Tierhaltung direkt vom Erzeuger und kalkulieren unsere Preise ohne „Schwund“!

23. Februar 2013 von recky
Kategorien: Philosophie | Schreibe einen Kommentar

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