Unsere fast ausgestorbene Spezialität – Knudeln

Unsere Spezialität, die Ihr bei uns immer in irgendeiner Form auf der Karte finden werdet, erscheint gerade bei auswärtigen Gästen unseres Hauses recht beratungsintensiv: “Knuddeln? Was ist das? Wollt Ihr mich etwa mal feste drücken???” “Nein, lieber Gast, das heißt ‘Knudeln’, mit einem ‘d’. Aber wenn Sie etwas Zuneigung brauchen, dann bitte sehr…”

So oder ähnlich verläuft das Beratungsgespräch am Tisch recht häufig. Dabei handelt es sich um eine alteingesessene Eifeler Zubereitungsart der gemeinen Mehlnocke oder – neudeutsch – Gnotschi (teutonische Ableitung des italienischen “Gnocchi” – Anm. d. Red.). Dem einen oder anderen nordeifeler Eingeborenen sind diese per Löffel ins Kochwasser abgestochenen, übergewichtigen Spätzle durchaus noch ein Begriff, hat doch die Oma in bedürftigeren Zeiten oftmals Knudeln als fleischloses Gericht am Freitag gezaubert. Oder auch einfach mal zwischendurch. Die nötigen Zutaten gab es schließlich in jedem Haushalt: Mehl, Eier, Milch, Wasser, Salz. Und dazu gab es entweder eingewecktes Obst oder Speck und Zwiebeln, je nach Familientradition. Natürlich letzteres nicht Freitags…

Wir im Freistaat haben Eifeler Knudeln wiederentdeckt und uns in die Küche von Tante Mia (Baujahr 1930) begeben, um die richtige Konsistenz des Teigs zu lernen. Ein Rezept gibt es nämlich nicht. Die alten Damen rühren die Zutaten nach Bauchgefühl zusammen, bis es funktioniert. In der Restaurantküche haben wir die Zubereitung dann “industrialisiert”, um möglichst schnell möglichst große Mengen produzieren zu können. Erst haben wir es mit Vorkochen und auf Bestellung Aufwärmen versucht, wie es die Italiener mit ihrer Pasta tun, aber zufrieden waren wir nicht. Schließlich haben wir uns entschieden, die Knudeln auf Bestellung frisch abzustechen und zu kochen, auch wenn man bei den Mengen, die hier manchmal über den Tisch gehen, eigentlich einen hauptamtlichen Knudelabstecher bereitstellen müsste. Inzwischen sind wir da verdammt fix geworden, wobei wir (wie so oft) bei italienischen Restaurantköchen geklaut haben: der riesige italienische Pastatopf, der seinen festen Platz auf dem Herd hat und permanent am Brodeln gehalten wird.

Ebenso wie italienische Pasta oder Gnocchi sind Knudeln zudem äußerst flexibel. Beinahe jede Pastasauce passt dazu, ebenso wie Champignons mit Zwiebeln und Bacon oder sogar süße Zubereitungen. Entsprechend haben wir zu jeder Zeit mehrere Knudel-Gerichte auf unserer Karte, die wir je nach Saison immer wieder ändern.

Auch wenn der geneigte Gast also anfänglich ein kleines kulturelles Hindernis überwinden muss, so scheint es ihm oder ihr letzendlich wohl ausnahmslos zu munden. Auch der eher skeptische Eifeler scheint Gefallen an der Renaissance seiner Knudeln zu finden. So hörten wir kürzlich den Kommentar: “Nit janz su wie bej uss ze Huss, äwwe nit schlescht.” Was, wenn man die Eifeler kennt, so viel heißt wie: “Verdammt gut, besser als bei uns zu Hause!”

13. August 2014 von recky
Kategorien: Aktuelles, Philosophie | 5 Kommentare

Kommentare (5)

  1. Guten morgen, obwohl gebürtig aus der Vordereifel, vom Laacher See, habe ich gestern zum ersten mal was von “Eifeler Knudeln”gehört. Leider hatte ich nicht die Gelegenheit zu kosten, habe jedoch nachgefragt. Man sagte mir, dass es sich um, wie bei ihnen beschrieben, eine Art große Spätzle handelt, jedoch hat man auch von Quark gesprochen. Jetzt bin ich auf der Suche nach einem Rezept. Da sie das Rezept der Knudeln “industrialisiert” haben frage ich sie ob sie es mir verraten. Ich bin in keinem Kochclub und habe schon gar kein Restaurant, aber ich koche gerne für mich und mein Schätzchen, vor allem neues bzw. in diesem Fall traditionelles, altes!
    Über eine Antwort würde ich mich in jedem Fall sehr freuen.
    Ich wünsche ihnen alles Gute für das neue Jahr.
    Herzlichhe Grüße
    Alexandra Decker

  2. Hallo !!! Ich bin auch gebürtig aus der Eifel, wohne aber jetzt im Schwabenländle. Meine Mutter hat die Knudeln auch immer mal bei uns zuhause gemacht. Hab sie auch wegen einem Rezept gefragt aber, sie macht den Teig für die Knudeln auch nach Bauchgefühl. Und da hab ich mir gedacht, ich guck einfach mal im internet, und bin dann auf eure Seite gestolpert. Und würde mich freuen wenn ihr mir auch eure Variante des Knudelteigs geben könntet. Ist auch nur für mich privat.

    Ps: die Übersetzung ist nicht ganz korrekt, Es heißt nämlich, nicht ganz so wie bei uns zu hause, aber auch ganz gut

    • Hallo,
      das Rezept ist ganz einfach: 5 Eier auf 1 kg Mehl, Salz, etwas Milch und soviel Mineralwasser, bis der Teig eine zähe, glatte Konsistenz hat.

      PS: Die Übersetzung war mit einem Augenzwinkern gedacht…

  3. Ihr Lieben …dat sen ken Knuddele. Knuddele wären us Jrompere jemach. Nein , also Knuddele sind aus geriebenen Kartoffel mit Eidotter und Mehl gemacht, die als Nockerln gerollt werden und in Salzwasser gegart werden . Dazu werden Zwiebelringe in Butter mit Pfeffer und Salz gebraten , welche dann später den Knuddele zu gegeben werden. Aus Schweinespeck …Grieben werden ausgelassen , was letzendlich der Geschmacksträger für die Knuddele ist. Zuvor wird Wasser abgegossen , dann das kommt das ausgelassene Schmalz dazu und zuletzt die Zwiebel …das sind Knuddele der Osteifel , aus der Vorkriegszeit

    • Hallo Elke,
      danke für Deinen Hinweis. Auch in Bad Münstereifel sind Knudeln früher aus Kartoffelteig gemacht worden. Hier in Nettersheim allerdings werden sie seit Jahrhunderten (seit wann eigentlich?) aus Mehl, Ei, Milch, Wasser und Salz gemacht.
      Viele Grüße
      Recky

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