Reservierungen – nicht nur für den Gast

In Ländern mit hoher Restaurantkultur, wie z.B. Frankreich, Großbritannien oder Belgien, gehört es zum guten Ton, für einen Besuch im Restaurant vorab einen Tisch zu reservieren. In Deutschland hingegen weigert man sich größtenteils beharrlich, vorher anzurufen. Dabei geht es bei einer Reservierung nicht ausschließlich darum, sich selbst einen Tisch zu sichern, sondern auch der Küche einen geordneten Ablauf zu gewähren, damit man selbst – und andere – nicht unnötig lange aufs Essen warten muss.

Wo dem Restaurant nicht zugestanden wird, den Gästeandrang zu organiseren, erscheinen 90% der Gäste eines Abends innerhalb einer Stunde. Die Küche wird mit Bestellungen bombardiert, und die letzten Gäste eines Ansturms beißen die Hunde. Diese (die Gäste, nicht die Hunde) sind verständlicherweise über die unverhältnismäßig lange Wartezeit verärgert, und der Küche wird in der Regel der Schwarze Peter zugeschoben. Dabei können wir gar nichts dafür!

Keine Restaurantküche der Welt ist darauf ausgerichtet, alle zur Verfügung stehenden Plätze gleichzeitig zu bewirten. Man bräuchte mindestens so viele Köche wie Tische und so viele Herdflammen wie Stühle. Damit würde das Speisen in der Gastronomie unbezahlbar. Wir sind also auf einen geordneten Ablauf angewiesen, und dieser wird nur mittels Reservierungen gewährleistet. Ein paar Spontangäste gibt es immer, aber grundsätzlich sind wir bei auch nur halbwegs vollem Laden ohne gestaffelte Reservierungen aufgeschmissen. Im übrigen sind Verspätungen und zu frühes Erscheinen von Reservierungen beinahe ebenso schlimm wie keine Reservierung, da unser auf dem Papier geordneter Ablauf des Abends vor die (bereits zuvor erwähnten) Hunde geht und die Küche wieder einmal überlastet ist. Wir arbeiten tatsächlich wie die Hunde (schon wieder Hunde???) für Euch, aber mehr als 100% können auch wir nicht geben.

Verhinderte Gäste, die ihre Reservierung nicht absagen, sind hier im Freistaat auch ein großes Problem. Als sehr kleines Restaurant mit gerade einmal 25 Sitzplätzen sind wir auf jeden Gast angewiesen, wenn wir überleben wollen. Daher halten wir Eure reservierten Tische max. 20 Minuten frei, dann vergeben wir sie neu.

Wenn Ihr also das nächste Mal in einem gut gefüllten Restaurant lange auf Euer Essen wartet, schickt den Köchen Eure Solidarität in die heiße Küche und erklärt Euren unwissenden Nachbarn am nächsten Tisch, die nicht reserviert haben (Ihr hattet natürlich einen Tisch gebucht), warum das so ist.

Viele Grüße aus dem Freistaat!

17. September 2015 von recky
Kategorien: Allgemein, Philosophie | 2 Kommentare

Kommentare (2)

  1. Kann ich absolut gut verstehen

  2. Das ist endlich mal im Klartext erklärt wie es läuft. Finde ich gut. Wir haben von euch gehört, wir werden kommen und wir werden vorher reservieren.

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