Eifel-Gastro – Wegen Reichtum geschlossen?

In letzter Zeit mehren sich die Klagen über die Öffnungszeiten der Gastronomie in der Eifel, sowohl im Allgemeinen als auch bei uns im Freistaat und gegenüber der Gemeindeverwaltung in Nettersheim. Den Ruf als kulinarische Wüste hat die Eifel ja schon lange weg, dank unzähliger (aber vermehrt pleite gehender) Schniposa-Läden (für den Laien: Schnitzel-Pommes-Salat), die seit gefühlten Jahrhunderten glauben, der Gast wünsche nichts anderes. Einen Teil hat jedoch vielleicht auch die Tatsache dazu beigetragen, dass der geneigte städtische Besucher vielfach kopfschüttelnd um 20:00 Uhr an einem Mittwochabend im November oder an einem verregneten Sonntagnachmittag vor einem Eifeler Gasthof steht und die Eingangstür verschlossen vorfindet.

Leider ist dies eine unabänderliche Tatsache, an der wir im Freistaat auch nichts ändern können, denn sie ist durch wirtschaftliche Notwendigkeit bedingt. Abgesehen von wenigen touristischen Zentren in der Eifel existiert hier außerhalb der Saison so gut wie keine Laufkundschaft, von der wir zehren und auf die wir in ruhigeren Zeiten hoffen können. Als Gastronomen wissen wir einfach, dass mitten in der Woche nach 20:00 Uhr niemand mehr kommt. Ebenso lohnt es sich für die meisten von uns nicht, für vielleicht 15 Gäste im Jahr, die an einem Sonntagnachmittag Hunger verspüren, die Küche auf Hochtouren laufen zu lassen.

Ein Rechenexempel: Ein Servicemitarbeiter kostet uns beim Mindestlohn von 8,50 € knapp über 11 € brutto pro Stunde, d.h. 33 € für die Zeit zwischen 14:30 und 17:30 Uhr. Betriebliche Nebenkosten (Pacht, Heizung, Strom, Klopapier, ohne Energie für die Küche) belaufen sich bei uns glücklicherweise auf lediglich 10 € pro Stunde, also 30 € für den Nachmittag. Für den Betrieb der Küche kann man etwa das Gleiche ansetzen. Das sind, etwas blauäugig gerechnet, insgesamt 93 € an Kosten, wenn nicht ein Gast aufkreuzt, Inhaber = Koch ist und sich selbst gar nichts zahlt. (Sobald in der Küche ein Gehaltsempfänger steht, explodiert diese Rechnung!) Fix-, Betriebs- und Personalkosten betragen im Schnitt 60 % des Umsatzes, der Wareneinsatz weitere 30 % (ja – so gering sind unsere Gewinnmargen!!!). Rechnen wir also 93 € + 47 € = 140 €, der Break-Even-Punkt bei 47 € Wareneinsatz. Dies wäre, je nach Kalkulation, ein Bruttoumsatz von 170 – 190 €, also 56 – 63 € pro Stunde an jedem Nachmittag, der geöffnet bleibt. In der Eifel, außerhalb von Bad Münstereifel oder Monschau, völlig unrealistisch. Daher sehen wir davon ab.

Aus diesem Grunde sind auch Küchenzeiten bis 22:30 Uhr oder sogar 23:00 Uhr absolut sinnlos, auch wenn sich viele Gastwirte noch krampfhaft an solche „traditionellen“ Zeiten klammern. Der Freistaat schließt die Küche um 21:00 Uhr und spart damit echtes Geld. Dreimal im Jahr kommen Gäste nach Küchenschluss, die wir (meistens) enttäuschen müssen – ausnahmslos Leute, die sich mit den Gepflogenheiten in der Eifel nicht auskennen. Ebenso kann es passieren, dass wir bei Sturm, strömendem Regen oder Schnee um kurz nach acht das Licht ausknipsen, denn die Wahrscheinlichkeit, dass noch jemand kommt, ist homöopathisch winzig. Potentielle Restaurantgäste aus der Region sind sich dessen bewusst und gehen früh essen. Besuchern aus der Stadt ist dies schwierig zu vermitteln; „Kölner Öffnungszeiten“ wären jedoch für uns der betriebswirtschaftliche Exitus. Aber hey – wir nehmen auch keine „Kölner Preise“ für unsere Speisen und unseren Wein!!!

19. November 2015 von recky
Kategorien: Allgemein, Philosophie | 3 Kommentare

Kommentare (3)

  1. Also Recky

    ich sag nur mal: wir haben neulich wieder echt lecker gegessen bei Euch. Und dafür rufen wir auch gerne an.

    Nicolai

  2. Hallo Recky und Mitstreiter/innen,

    ein intelligenter, ehrlicher und transparenter Text. Danke!
    Ich finde es gut, dass Ihr nicht den Bückling vor völlig abgehobenen Gästen macht und dazu auch steht. Weiter so.
    Seit dem Sommer war ich in Begleitung mehrfach da und habe Euch auch Freunden empfohlen. Wir waren ALLE zufrieden,
    Und wer außer den Bikern, die mit ihrem Lärm die Eifel verseuchen, braucht Schniposa?

    Ein volles Haus für 2016 wünsche ich Euch!

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