Alle haben Pfifferlinge, nur der Freistaat nicht?

Ist es nicht seltsam? Beinahe jedes Restaurant, in dem der Koch mehr kann als nur Tüten aufzureißen, bietet im Moment Pfifferlinge an, aber im Freistaat gibt es keine. Dabei ist doch Pfifferling-Hochsaison!

Nun, der Freistaat ist komplett saisonal ausgerichtet, aber ebenso regional. Wir beziehen unsere Lebensmittel von Erzeugern aus der unmittelbaren Region. Unser Fleisch kommt aus Keldenich, Vussem, der Prümer Gegend, Blankenheim, Flamersheim; Gemüse und Salat aus der Voreifel. Sogar unser „gutes“ Öl, das kaltgepresste Rapsöl, kommt aus dem Maienfeld, während der Ziegenkäse der Vulkaneifel entstammt. Einige wenige Ausnahmen machen wir für essentielle Zutaten, die noch nie in der Region zu bekommen waren oder nicht mehr produziert werden: Ab morgen gibt es bei uns beispielsweise Muscheln Rheinischer Art, worüber wir lange nachgedacht haben. Das Gericht hat aber eine sehr lange Tradition im weiteren Rheinland, so haben wir beschlossen, es während der Muschelsaison auf die Karte zu nehmen. Hierfür lassen wir uns die Miesmuscheln direkt vom Pariser Großmarkt kommen – frischer geht’s nicht. Buchweizen, den wir gern für „Risotto“ oder Salate verwenden, wurde früher in der Eifel sehr viel angebaut, ist aber leider ausgestorben, also müssen wir ihn „importieren“.

Pfifferlinge jedoch werden ausschließlich im Baltikum, der Ukraine, in Weißrussland oder auf dem Balkan produziert. Das hat nicht mehr annähernd irgendetwas mit dem zu tun, wofür der Freistaat steht, und somit lassen wir die Finger davon. Wir freuen uns aber schon auf die Steinpilzsaison, denn die sammeln wir selbst hier in den Wäldern (im legalen Rahmen). Und wenn wir keine finden, z.B. weil die osteuropäische Steinpilzmafia wieder alles rausgerissen hat (kein Witz!!!), dann werden wir auch keine lettischen oder bulgarischen zukaufen.

Als „saisonales und regionales“ Restaurant erlegen wir uns gewisse Beschränkungen auf, die uns immer wieder herausfordern, mit den zur Verfügung stehenden Produkten kreativ und mit viel Respekt umzugehen. Und das macht richtig Spaß – wir haben den besten Beruf der Welt!

19. Juli 2016 von recky
Kategorien: Aktuelles, Philosophie | 4 Kommentare

Kommentare (4)

  1. Ich finde die Philosophie von und das Essen im Freistaat Eifel gut. Werde bei nächster Gelegenheit die Muscheln auf Rheinische Art probieren kommen.
    Pilzmafia paßt doch bestens zu uns…Das Geld zählt und ist der neue Gott der Weltreligion fast überall auf der Welt. Ganz sicher auch bei uns. Was soll ich den Mafiosi verübeln zu tun, was im Prinzip fast alle tun hier und ganz besonders in der westlichen Welt?

    • Nun ja, die schleppen tonnenweise die Steinpilze aus der Eifel heraus und verkaufen sie für viel Geld an große Hotels etc. Das verüble ich ihnen sehr!

  2. Lieber Recky, wir gehen gerne bei Dir essen und wir schätzen die Regionalität Deiner Küche sehr. Deine Bemerkungen über die osteuropäische Pilzmafia, die tonnenweise Steinpilze aus der Eifel wegsammelt, sind bei uns unangenehm aufgestoßen: Ein Freund, der sich einen Abend Zeit genommen hat, Berichte in Regionalzeitungen zu ergoogeln und allesamt nachzulesen, kam zu dem Ergebnis, dass die Nachricht über die osteuropäischen Pilzsammlerbanden mehr Gerücht sind, als dass sie einer Realität entsprechen. Es mag möglich sein, dass osteuropäische Saisonarbeiter in der Weinlese sich ein Zubrot damit verdienen, in dem sie in nahegelegenen Wäldern Pilze sammeln. Aber: wer will ihnen das bei den schmalen Saisonlöhnen verübeln? Hier ein Bericht, der dem Gerücht einmal näher nachgegangen ist: http://www.main-echo.de/ueberregional/politik/art20501,2797329 Viele Grüße, Hannes Platz

    • Hallo Hannes,
      leider gibt es bei uns in der Regionalpresse jedes Jahr wieder Berichte über Polizeirazzien im Wald, bei denen es auch immer wieder zu unschönen Zusammenstößen mit „auswärtigen“ Sammlern kommt, die große Mengen aus dem Wald herausreißen. Wir selbst dagegen finden kaum noch Steinpilze.
      Viele Grüße
      Recky

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